GLÜCK_HAPPENS

Eine Ausstellung im Kunstpalais Erlangen, 2011

 

... „Glück ist ein performatives Phänomen“, schreibt Jörg Zirfas in seinem Aufsatz „Glück heute“ und analysiert damit einen Umstand, den – wenngleich auf völlig unterschiedliche Weise – auch ERWIN WURM und KATHARINA KARRENBERG in ihren künstlerischen Beiträgen thematisieren...

 

Hysterie galt lange als Modekrankheit des 19. Jahrhunderts, die vor allem Frauen betraf und als Kampf gegen männliche Übermacht gedeutet wurde. Wichtigster Erforscher der Hysterie war Jean-Martin Charcot. Er wurde 1882 zum Chefarzt an der Pariser Salpètrière ernannt und entwickelte die Abteilung für Nervenkrankheiten zur bekanntesten Einrichtung dieser Art. Zehn Jahre später galt sein Hauptinteresse der Hysterie. Charcot avancierte zum Starmediziner. Seine öffentlichen Vorführungen hysterischer Anfälle mit hingebungsvollen Patientinnen, die er mittels Narkose in einen hysterischen Zustand versetzte, machten ihn berühmt...

Der in gebogener Pose erstarrte Körper, hysterischer Bogen genannt, ist Ausgangspunkt der Arbeit von KATHARINA KARRENBERG. Für sie ist ‚Hysterie ein Wechselzustand zwischen psychischen und physischen Innerlichkeitsleiden, der Lust an der Performanz und dem Begehren nach Öffentlichkeit. So gesehen ist sie nicht spezifisch weiblich und auch nicht auf das 19. Jahrhundert beschränkt. Sie ist vielmehr ein aktueller gesellschaftlicher Zustand.’ (Katharina Karrenberg) In der Tat dienen zahlreiche Fernsehshows heute in erster Linie dazu, die freiwilligen Teilnehmer entweder in euphorischen Überschwang aus- oder in verzweifelter Hysterie zusammenbrechen zu sehen...

Die freien Lineaturen, die an die begrenzenden Linien der kleinen Bilderrahmen anschließen, führen den spannungsvollen Gegensatz, welcher der Hysterie immanent ist, auf formaler Ebene weiter. KARRENBERG bezeichnet dies als ‚die Begeisterung zweier sich ausschließender Zeichensysteme, die einen gemeinsamen Tanz aufführen... Als Verlängerung der Rahmen, als syntaktische Flächenelemente und als selbständig agierende Bewegungszüge haben die Linien die Fähigkeit, in verschiedenen Systemen zuhause zu sein. In dieser Mehransichtigkeit liegt meines Erachtens das Performative, das auch im Betrachter verschiedene Blickwinkel aktiviert...’...

„Die freien Linien... ihre Richtungswechsel, ihre Überlagerungen, Verdichtungen und Versprengungen ... bewegen sich wie Sprachbänder oder musikalische Notationen durch einen aufgebrochenen Bildraum...“

Dr. Claudia Emmert (Auszug aus dem Katalogtext)