4 Reflektografien, Ausstellung bei OQBO, Berlin 2015

 

 

                                                                          

Einige Bemerkungen zur REFLEKTOGRAFIE und zum DOKUMENTARISCHEN

 

REFLEKTOGRAFIE (W T C_COMPLEX)

Die Reflektografie ist ein fotografisches Verfahren, das Interaktionen von analogen und digitalen Bildern an der Schnittstelle des gläsernen Computerscreens aufzeichnet. Es handelt sich um Bilder, die im Computer als Code vorhanden sind und sich auf seiner Oberfläche zeigen und um Bilder, die sich vor seiner Oberfläche befinden und sich in seinem Glas spiegeln. Die Vorgänge der Reflexion verändern nicht nur die Bilder, sondern thematisieren auch das Medium der Brechung: das Glas wird als durchscheinendes und reflektierendes Material ins Register des Sichtbaren geholt und gibt gleichzeitig die Struktur des digitalen Bildes als Zeilenraster preis, bleibt aber selbst unsichtbar.

Die Aufzeichnung dieses Vorgangs verstehe ich als Schnittpunkt zwischen ästhetischer SICHTBARMACHUNG und dem was SICH ZEIGT: also um den produktiv-konstruktiven Aspekt der Bildherstellung, d. h. um Untersuchungen, die Prozesshaftigkeit und Medialität der Produktionsvorgänge thematisieren, ausstellen und vermitteln.

Es entstehen Dynamogramme – d.h. unstatische Bilder, die ihre prekäre Beweglichkeit nicht verbergen sondern zeigen.

In den hier gezeigten Arbeiten verschränken sich Zeichnungen vom Zusammenbruch des World Trade Centers, New York im Jahr 2001 und Fotografien der "Börse Berlin", gebaut 1994-98.

 

DOKUMENTATION (rote Zeichnungen)

Die narrativen, zusammenhängenden Segmente der R.A.U.S.CH._PASSAGE werden als einzelne, eigenständige Zeichnungen behandelt. Indem sie sich isoliert im Computerscreen spiegeln, verändert sich ihr Konzept und ihre Reflexionsebene. Sie treten in den Zustand der unendlichen Reproduktion und der Differenz ein.

Die operative Struktur der Bildherstellung macht eine dokumentarische Registratur möglich, mit der ich meine gesamten Bilddokumente der R.A.U.S.CH._PASSAGE nach und nach erfasse und in neue Themenzusammenhänge überführe. Ich werfe damit Fragen zur dokumentarischen Objektivität und zur archivarischen Distanz auf, Fragen zum Verhältnis von Autonomie und Invisibilità und Fragen zur Transparenz künstlerischer Recherchemethoden und nicht zuletzt Fragen nach dem Verhältnis von Fotografie und Zeichnung.

Diese Form der Dokumentation wird in einer Reihe von Archiv-Ordnern gespeichert.

 

Katharina Karrenberg  März 2015