FLUSSER _ KARRENBERG 1994 - 2006 - 2015

 

HAND STUDIES

 

Die Hände der Polizei beim Abtasten der Fans sind wie die Werkzeuge des Frisörs Miniaturen der Werkzeuge des Gärtners. Bei näherer Betrachtung stellen sich einige Fragen, die tief in das existenzielle Problem der Gegenwart vordringen. Zum Beispiel: Ist Gärtnern eine Art Kosmetik, eine Art Schönheitspflege der erweiterten menschlichen Haut? Ist das Durchwühlen der menschlichen Kleidung mit den Fingern der Polizei eine Art Kamm? Oder umgekehrt: Ist das Verstecken harter Gegenstände zwischen Haut und Kleidung eine Art Gärtnern, d. h. Pflanzen am eigenen Körper? Eine Verkünstlichung der natülichen und luftigen Bedingungen zwischen Haut und Kleidung? Ist der Rasen eine Art Bart oder der Bart eine Art Rasen oder das Durchkämmen eine Art Schönheitsoperation? ...

Kunst bedeutet, aus einem Ding etwas anderes zu machen.. Dementsprechend wäre die Geste des Rasierens und die Geste des Durchwühlens Kunst...

Die Dinge, die beim Abtasten in den Kämmen der Polizei hängen bleiben, verbleiben im Apparat. Sie rechtfertigen ein Entfernen des Fans aus der Gesellschaft in den Apparat hinein. Der Apparat ist also ein Instrument zum Verkleinern, zur Abstraktion ... zur Aufbewahrung. Das ist es, was die Haut verspürt, wenn sie rasiert wird. Das ist es, was der Fan verspürt, wenn er gefilzt wird. Er wird abstrahiert. Er spürt nicht die schwüle Geste der Polizei, er spürt das künstlerische Ziel der Polizei am eigenen Leib.

Man kann behaupten, dass wir im Begriff sind, in ein kosmisch-kosmetisches Zeitalter zu schreiten, in dem der Polizist der Künstler ist, der den Apparat und den Fan zu einer ontologischen Einheit verschmilzt.